Entwicklung der Sektion - Ein Rückblick
Die Idee, auch auf der europäischen Seite des "großen Teiches" eine Sektion des AATG (American Association of Teachers of German) zu gründen, entstand 1986 auf der AATG National Conference in Berlin. Die Tatsache, daß es auch in Europa viele AATG-Mitglieder gab (von Dänemark bis zur Schweiz, von Holland bis Österreich), die aber, im Gegensatz zu ihren Kollegen in Nordamerika, in keiner eigenen regionalen AATG - Verbandssektion (chapter) zusammengeschlossen waren, veranlaßte mehrere europäische Mitglieder dazu, beim AATG Hauptverband die Gründung eines European Chapters zu beantragen. Auf der National Conference vom November 1987 wurde dieser Antrag befürwortet und ein AATG-European Chapter als 62. Verbandssektion zugelassen.
Am 26.März 1988 war es dann soweit. In Frankfurt am Main fand die konstituierende Sitzung der neuen Sektion statt, um über Arbeitsgebiete und Aufgaben zu beraten und eine Satzung zu verabschieden. Doch was war inhaltlich unter einer europäischen Sektion eines amerikanischen Verbandes der Deutschlehrer und Germanisten eigentlich zu verstehen? Ein bißchen ungewöhnlich klang das schon. War inhaltlich überhaupt etwas damit anzufangen? Wie würde sich das Selbstverständnis einer derartigen Sektion entwickeln? Für die zahlreichen Teilnehmer, die die weite Fahrt nach Frankfurt auf sich genommen hatten, erwies sich der Sinn einer derartigen Sektion jedoch sehr rasch. Seit Jahren gab es auf dem europäischen Kontinent Lehrende, die dort, wo es größere U.S. - Gemeinden gab, Deutschunterricht an entsprechenden Bildungseinrichtungen erteilten. Mit der Gründung einer europäischen Sektion von AATG war endlich ein Forum geschaffen, auf dem diese Lehrenden die Gelegenheit hatten, unterrichtsbezogene Probleme vorzutragen und zu diskutieren bzw. mit Kollegen Unterrichtsideen und -erfahrungen auszutauschen. Zudem hatte man über die neue Sektion die Möglichkeit, einen direkten Zugang zu aktuellen Fragen hinsichtlich des Deutschunterrichts in den USA und der Aufgaben des AATG Hauptverbands zu bekommen. Auch solche Kollegen hier in Europa, die sich weniger mit dem Deutschunterricht, sondern mit anderen Bereichen des Sprachunterrichts beschäftigten, sich allerdings mit US-Aspekten der Sprachdidaktik und der Sprachwissenschaft befassen wollten, interessierten sich für die Arbeit unserer Sektion. Hinzu kamen sogar nicht wenige Interessierte, die in völlig anderen Fachgebieten zu Hause waren, aber Anteil an unserer Sektionsarbeit nehmen wollten.
Die Aufgaben nahmen nun Formen an, und die Sektion war nun bereit, diese mit Leben zu füllen. Doch kaum hatte sie die ersten Schritte dazu unternommen, ereigneten sich in Osteuropa jene politischen Umwälzungen, die mit unerwarteter Rasanz die Situation auf dem europäischen Kontinent, vor allem in seinem deutschsprachigen Teil, veränderten und nicht nur viele Hoffnungen sondern auch manche Ungewißheiten hervorriefen.
Amerikas Rolle und Gegenwart in Europa, so wie sie in den vier Jahrzehnten nach Kriegsende entstanden waren, mußten der neuen Lage entsprechend umgestaltet werden. Für die vielen europäischen US-Gemeinden und Militärstützpunkte bedeutete dies ein nicht geringes Maß an Verunsicherung. "Wie geht es weiter?" lautete bei nicht wenigen, die diesen Gemeinden angehörten und in ihnen beruflich tätig waren, zunächst die Frage. So blieb auch die Arbeit der europäischen Sektion, unter deren Mitgliedschaft die veränderte Situation viele direkt oder indirekt betraf, von dieser Frage nicht ganz unberührt.
Seit jener Zeit zeigt sich die neue Lage in Europa als Herausforderung. Dies gilt nicht zuletzt für die Beziehungen zwischen Europa und den USA. Die neuen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der neunziger Jahre haben in diesen Beziehungen zwar einige inhaltliche Schwerpunkte verlagert, dennoch haben diese transatlantischen Verbindungen nichts an ihrer alten Bedeutung verloren. Für den in Europa stattfindenden Deutschunterricht für US-amerikanische Lernergruppen, die sich zu beruflichen, akademischen oder persönlichen Zwecken kurz- oder längerfristig auf diesem Kontinent aufhalten, stellen die wachsende Internationalisierung der Gesellschaft und des Marktes, die Zunahme des Dienstleistungssektors und die entsprechenden Auswirkungen auf das Berufsleben neue Anforderungen dar.
Seine ursprünglichen Aufgabengebiete hat das AATG-European Chapter in den letzten Jahren nun ergänzt, indem es sich zunehmend mit diesen Anforderungen auseinandersetzt. Die interkulturellen und kommunikativen Ansätze, die inzwischen einen festen Platz im modernen Fremdsprachenunterricht einnehmen, haben die Sektion in ihrer Arbeit nun veranlaßt, Anknüpfungspunkte zwischen nordamerikanischen Lehr- und Lerntraditionen einerseits und entsprechenden Traditionen des in den deutschsprachigen Ländern Europas entwickelten DaF - Unterrichts andererseits zu suchen. Ein Ziel ist es, Wege zu finden, die Erfahrungen, die Deutschlernende aus den USA während ihres Aufenthaltes in Europa mit der deutschsprachigen Kultur machen, am sinnvollsten zu gestalten. Dabei geht es nicht mehr nur um die Teilnahme an allgemeinen Deutschkursen sondern beispielsweise auch um die Absolvierung berufsbezogener Praktika und für Angehörige der zwar quantitativ verringerten doch aufgabenmäßig noch wichtigen US-Garnisonen in Europa um einen Fremdsprachenunterricht, der Perspektiven für die künftige berufliche Aus- und Weiterbildung aufzeigt.
Seit einigen Jahren versucht die Sektion dem Einfluß, den die veränderte Lage auf die beruflichen Tätigkeiten der Mitglieder ausübt, durch Beiträge zur fachlichen Weiterbildung Rechnung zu tragen. Anhand von Wochenendseminaren zum Einsatz von Computertechnologie im Fremdsprachunterricht zum Beispiel ermöglicht sie eine Auseinandersetzung mit dem Einbruch des Computerzeitalters in die Fremdsprachenausbildung. Künftig geplante Projekte sollen u.a. nach Wegen suchen, wie die berufliche Beziehung unserer Mitglieder zur deutschen Sprache auf Bereiche außerhalb der herkömmlichen Sprachvermittlung ausgedehnt werden könnte.
Ohne den Einsatz vieler ihrer Mitglieder, die während der vergangenen fünfzehn Jahre die Sektion mit einem erheblichen Aufwand an Zeit, Arbeit, Mittel und Material unterstützt haben, wären die Sektion als solche und die Verwirklichung ihrer Ziele nie möglich gewesen. Unser Dank gilt auch den vielen Referenten, Workshop- und Exkursionsleitern für ihre wertvollen Beiträge zur fachlichen Arbeit unserer Sektion und deren Mitglieder. Ebenso möchten wir uns bei den folgenden Organisationen (in alphabetischer Reihenfolge) für ihre Unterstützung bzw. Mitarbeit bedanken: Bezirksregierung Oberfranken, Carl-Duisberg Gesellschaft, Europa-Kolleg Kassel, European Division of the University of Maryland, Fachhochschule Aschaffenburg, Gemeindeverwaltungen Küps und Mitwitz in Oberfranken, Georg-Simon-Ohm Fachhochschule (Nürnberg), Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Hueber Verlag, Institut für Interkulturelle Kommunikation (Ansbach und Jena), Inter Nationes, Kasseler Hochschulverband, Kolpinghaus Frankfurt, Landratsamt Kronach, Langenscheidt Verlag, Ohm International Club (Nürnberg), Pepperdine University (Heidelberg), Sektion DaF des Fachverbands Moderner Fremdsprachen, Schiller College (Heidelberg), Staatliche Schlösser und Museen Hessen, Stadtverwaltung Ansbach, Universität-Gesamthochschule Kassel, Západoceská Univerzita Plzen.
Verfasser: Ursel Kennedy und Paul Heinemann










